Förderverein für krebskranke Kinder e.V. Karlsruhe Stelzenmännchen

Presse

Spaß in der „Räuberburg“

Ein Besuch beim Förderverein für krebskranke Kinder in Karlsruhe am 15.01.2017.

Mit flinken Fingern schneidet das schwarzhaarige kleine Mädchen bunte Knetmasse zurecht und rollt sie zu Kugeln. Der haarlose kleine Junge spielt mit einer ehrenamtlichen Betreuerin im Kaufladen. Die Kinder sind krebskrank. Hier in der „Räuberburg“ auf dem Gelände des Städtischen Klinikums Karlsruhe, ganz in der Nähe der Kinderklinik, werden sie in Wartezeiten zwischen Behandlungen betreut. Geschwisterkindern wird hier die Wartezeit versüßt. Familienmitglieder finden etwas Ablenkung. „Wir sind glücklich, dass wir die ,Räuberburg‘ haben“, sagt Margareta Höfele, die Vorsitzende des Fördervereins für krebskranke Kinder. Vor zwei Jahren konnten sie mit Sack und Pack aus dem unteren Foyer in der Kinder- und Frauenklinik in die „Räuberburg“ umziehen. Hier, in dem lichtdurchfluteten, halbrunden Spiel- und Aufenthaltsraum dominiert Glas. Nicht nur an der gerundeten Wand – auch ein Oberlicht spendet reichlich Helligkeit. Der Raum vermittelt Fröhlichkeit, Spiele stapeln sich, eine große,
hölzerne Eisenbahn, Puppen und Puppenkleider, ein Tischfußballspiel und vieles andere warten hier auf fleißige Kinderhände. Tische und Stühle für Eltern und Kinder laden zum Verweilen ein. Es duftet nach
frisch gebrühtem Kaffee.

 

 

Für Patientenkinder, die Ruhe brauchen, ist ein Ruheraum mit Bett eingerichtet. Ferner gibt es eine Wickelkommode und eine sehr gut ausgestattete Küche. „Wir betreuen Patientenkinder und deren Geschwister wochentags von 10 bis 17 Uhr und denken daran, demnächst auch an den Sonntagnachmittagen unser Haus zu öffnen“, lässt die Vorsitzende wissen. Geschwisterkinder seien sehr häufig durch die Erkrankung von Schwester oder Bruder besonders belastet. Auch betroffene Eltern nützten den Treffpunkt gerne, um sich auszutauschen. Neulich erst wurde Höfele für ihr nunmehr 20-jähriges ehrenamtliches Engagement als Vorsitzende des Fördervereins von Ministerpräsident Kretschmann geehrt. In den Medien habe es geheißen, sie sei eine betroffene Mutter. „Nein“, stellt Margareta Höfele richtig. „Das bin ich nicht. Ich engagiere mich aus Dankbarkeit. Weil mir ein solches Schicksal erspart geblieben ist. Der Förderverein finanziert sich aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen, den Erlösen von Veranstaltungen und auch aus Erbschaften.

So sei der Bau der „Räuberburg“, für den der Förderverein eine runde Million Euro hinblättern musste, einer größeren Erbschaft zu verdanken. Schon 2002 hat der Förderverein in der Moltkestraße „das Karlsruher Elternhaus“ mit neun Zimmern und Aufenthaltsräumen in Betrieb genommen. Dort dürfen die Familienmitglieder von betroffenen Kindern während deren Behandlung kostenlos wohnen.


Der Unterhalt von Elternhaus und „Räuberburg“ sei derzeit das Hauptanliegen des Vereins. Daneben aber unterstütze man häufig betroffene Familien, die in Not geraten, weil die Mutter nicht mehr arbeiten kann. „Wenn beispielsweise die Waschmaschine kaputt geht, ist das Drama groß, dann kaufen wir eine neue“ sagt Höfele. Oder wir statten die Kinder einer Familie mit Winterkleidung aus. „Wir prüfen sehr genau und vergeben nur Sachwerte“, betont sie. „Nein, von der Stadt bekommen wir keine Unterstützung“, antwortet sie auf die entsprechende Frage. „Das wollen wir auch nicht.“ Der Verein zählt 50 Mitglieder, die jede Woche für je zwei bis drei Stunden die Kinder in der „Räuberburg“ betreuen. Es sind alle Altersklassen darunter, alle möglichen Berufe, auch Studenten. „Wir führen Generationen zusammen. Da sind viele Freundschaften entstanden“, sagt Margareta Höfele.

"BNN/Der Sonntag", Bericht Monika John, Fotos Pauline Fabry